Über freche Früchtchen und die Intelligenz der Samen

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Die Zeit des Reifens und Fruchtens hat längst begonnen. Ich bin vor einiger Zeit mit dem Fahrrad ganz langsam durch die Landschaft gefahren, und dabei fiel mir auf, dass sich knapp über den reifen, goldenen Kornfeldern eine Distelart erhebt. Ihre Flugsamen, die wie beim Löwenzahn in der Luft herumfliegen, erfüllten die ganze Umgebung.

War es nun Zufall oder Absicht, dass die Disteln genau ein paar Zentimeter höher als das Korn gewachsen sind?!

Wären sie gleich hoch, hätte der Wind der für ihre Verbreitung nötig ist, wohl wenig Chance, seine Arbeit zu tun. Sie könnten natürlich auch viel höher sein, aber das würde mehr Energie kosten, und der Umgebungsschutz des Korns wäre weniger wirksam. Also Zufall oder Absicht?

Da der Zufall nur ein Name für ein unbekanntes Gesetz ist (laut Trismegistos), steckt  also Absicht,- Intelligenz dahinter!!

Das Ausbilden von Samen als Informations – und Erbträger ist das Ziel jedes Lebewesens. Gerade die Pflanze hat da eine Sonderstellung, da sie als Individuum an ihren Ort gebunden ist, d.h. sie kann weder von sich aus ihrer Nachhut einen geeigneten Platz zukommen lassen, noch Brutpflege betreiben.

Der richtig gewählte Augenblick des Loslassens  und die Art der Verbreitung, also die bestimmte Ausstattung des Samenkorns sind die einzigen Hilfestellungen der Mutterpflanze, die sie ihren Nachkommen geben kann.

Die Karpobiologie, die Lehre von Samen und Früchten, erforscht unter anderem die Verbreitungsmechanismen  von Samen.

Wir alle kennen den Löwenzahn, als Vertreter der Schirmflieger. Schwerelos fliegt der Samen oft kilometerweit bei günstigem Wind und trockenem Wetter. Ebenso die Schraubenflieger, wozu der Ahornsamen gehört. Wie ein Propeller trägt der  Wind den Samen.
Gleitflügel besitzen die Lindenblüten und Schwimmsamen, wie die Kokosnuss oder der Samen von Mangroven, können lange Zeit (Kokosnüsse über mehrere Jahre) im Wasser herumtreiben.
Wobei die Mangrove noch statisch so ausgerichtet ist, dass sie eine als Schwerpunkt ausgestattete Spitze besitzt, die sich im Idealfall beim Herabfallen von der Mutterpflanze  gleich nach unten in den schlammigen Ufergrund spießt.

Es gibt Lichtkeimer, die erst dann keimen, wenn die Tage lange genug sind und der Samen nicht bedeckt ist. Genauso gibt es Frostkeimer, wo die Keimung erst nach dem Frost aktiviert wird. Beide Mechanismen verhindern eine zu frühe Keimung.
Erst wenn die Tage lange genug sind, der Frost hinter uns liegt, beginnt sich das Leben im Keim zu regen. Viele Samen können Jahre und Jahrzehnte überdauern.
Das betrifft Samen von Pflanzen in Wüsten, wo lange auf seltenen Regen gewartet werden muss. Innerhalb von wenigen Stunden erwacht dann aber die dürre Landschaft zum Leben.

Einjährige Pflanzen (Keim – und Fruchtphase befinden sich in nur einem Jahr, und danach stirbt die Pflanze ab) haben nicht die Notwendigkeit, ihre Kinder in die Ferne zu schicken. Da sie das Feld, den eigenen Standort  sowieso noch im selben Jahr räumen, können die Nachkommen ruhig vor Ort keimen. Die Mohnkapsel z.B. ist eine Streufrucht, die durch Bewegung  vor Ort den Samen ausstreut.

Ameisensamen ( z.B. Taubnessel) besitzen ein Fettanhängsel, welches die Tiere unwiderstehlich finden, und so nehmen sie den Leckerbissen mit in den Bau, wo nach dem Verzehr der Samen liegenbleibt und bereits „gepflanzt“ ist.
Schleuderfrüchte wie das Springkraut oder das Geranium können ihre Samenkörper weit von sich schleudern, mit Hilfe von Wind oder Berührung, aber auch ein gewisser Reifeprozess löst ohne fremde Hilfe diesen Mechanismus aus.

Dann haben wir noch die Pyrophyten, Samen die erst mit Hilfe von Feuer und Hitze ihre Kapsel sprengen und auf mit Asche gedüngte Erde fallen. Dazu kommt noch dass die Konkurrenz von älteren, höheren und lichtraubenden Zeitgenossen eliminiert wird.
Unsere Kiefern und Pflanzen im Australischen Busch sind darauf spezialisiert.

Klett – oder Haftsamen, wer kennt sie nicht? Hartnäckig haften sie an allem, was mit ihnen in Kontakt kommt. Völkerwanderungen von Pflanzen sind nicht übers Land gezogen, sondern haben sich tragen lassen. Ob es die Elemente Wind, Wasser, Luft oder Erde waren, oder Tier und Mensch, spielt dabei keine Rolle, sie waren und sind damit sehr erfolgreich.

Zum Schluss schauen wir uns noch die Lockfrüchte genauer an. Wie der Name schon sagt, locken sie Insekten, Tiere und Menschen mit lecker schmeckenden Früchten an. Eine jede  Frucht hat nur den einen Sinn bzw. Wunsch: die Verbreitung ihrer Samen.

Was hätte ein Apfel davon, wenn er nur vom Stamm fällt? Unter einem bereits bestehenden Apfelbaum zu keimen, würde wenig Sinn ergeben. Also verpacken wir das Ganze in eine leckere Frucht und schicken wir es auf die Reise über den Verdauungstrakt eines  Vogels. Welcher dann irgendwo anders, bereits verdaut und gut gedüngt, das Endprodukt Samen entleert.
Viele Lockfrüchte sind erst dann süß und leuchtend farbig, wenn der Same darin reif ist. Erdbeeren, Himbeeren.. usw.

Es gibt sogar Samen, die erst durch chemische Prozesse im Darm einen Keimimpuls bekommen. Giftsamen hätten es da schwieriger, wer möchte schon sein Transportmittel umbringen?
So kommt es, das die Schale des Samens verdauungsresistent und ungiftig ist, und  das Gift sich nur im inneren des Samens befindet.

Alle diese Systeme können keine Zufälle oder Launen der Natur sein, dahinter steckt der Wunsch zur Vermehrung und wahre Intelligenz.

Nüsse, Kastanien oder Eicheln, lassen sich von Eichhörnchen und Mäusen vergraben. Man hat herausgefunden das rund zwei Drittel von den vergrabenen Wintervorräten wiedergefunden werden, genug um das Tier über den Winter zu bringen, aber auch immer noch genug um die Population der Pflanze zu sichern. Was für ein toller Handel!
Eigennützigen Raubbau wie wir Menschen gerne betreiben, finden wir hier nicht.

Für gewöhnlich produziert eine gesunde Pflanze immer genug Samen, um sich weiter zu vermehren, aber auch um die Welt und ihre Lebewesen herum zu nähren. Das nenne ich Nachhaltigkeit!!

 

Samen sind wichtige Fett – und Öllieferanten; unser Getreide und viele Gewürze sind Samen. Ein Leben ohne Früchte und Gemüse, die nichts anderes als eine „Samen-Verpackung“ sind, ist ebenso wenig vorstellbar.

Was wäre, wenn heute oder morgen unsere Pflanzen beschließen würden, nicht mehr zu produzieren, oder ihre Früchte nicht mehr teilen möchten? Wenn sie nur mehr an sich denken würden, so wie der Mensch, der gerne vergisst, dass es auch noch andere Lebewesen auf dieser Erde gibt, die überleben wollen?

Oder stellen wir uns vor, die Pflanzen würden ihre Prioritäten verändern, nicht mehr die Vermehrung als Ziel haben, sondern den Müßiggang und sich mehr und mehr mit Dingen beschäftigen, die nichts Lebendes hervorbringen…so wie wir Menschen  Gebäude oder  Straßen vorziehen und dafür nur allzu bereit sind, alte Bäume oder Grünflächen zu roden.

Jede Betonfläche nimmt der Natur die Möglichkeit, Samen keimen zu lassen und uns zu ernähren, im Großen wie im Kleinen.

Das Ganze mag abstrakt erscheinen, doch soll uns bewusst werden, welche Verantwortung wir für einander haben!

In Indien gibt es den Ausdruck Bija-Mantra. Dabei setzt man dem Yogi ein Samenkorn (Bija), in Form eines Mantras (heilige Silben), in den Geist. Dieses soll dann Früchte tragen, in dem es durch unzählige Wiederholungen genährt wird, die Gedanken beruhigt und die Aufmerksamkeit dadurch auf das Göttliche lenkt.

Ich bin das, was ich denke.  Dort wo meine Aufmerksamkeit hingeht, ist auch die Welt, in der ich lebe.

Nach dem kurzen Abstecher in die indische Philosophie, zurück zum Samen.
Unvorstellbare Kraft und Energie, aber auch Intelligenz und Geduld steckt in diesem Wunder. Die Schöpfung hat die Verpackung  so vielfältig gestaltet, dass jeder Same ein kleines Wunder an sich ist.

Solanum-Frucht

Besonders Pflanzen produzieren fast immer eine beträchtliche Menge, einen Überschuss an Samen. Jedes Korn, das ich säe, jeder Baum, den ich pflanze, ist mein Beitrag für Leben in der Zukunft.

Einen Baum zu pflanzen, ist ein Zeichen von Vertrauen in die Erde, eine Tat voll Hoffnung auf die Zukunft. Eine Handlung der Nächstenliebe gegenüber nachfolgenden Generationen, die seine Früchte genießen werden, wenn wir nicht mehr da sind.
Louis Mercier

 

Der Weg der Heilpflanze

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Ich möchte euch etwas über die Entwicklungsgeschichte, der Bedeutung und Anwendung der Heilpflanzen, von einst und jetzt, erzählen.

Unsere Medizin befindet sich heute (wieder) an einem Wendepunkt. Das auf Inhaltstoffe und den Grenzen der wissenschaftlichen Beweisfähigkeit  gebundene Weltbild ist im Begriff sich neu zu  ordnen.

Unbeantwortete Fragen suchen nach Antworten, die im analytisch, materialistischen Horizont nicht zu finden sind.

Religiöse Intoleranz, wissenschaftliche Ignoranz, Selbstsucht und Profitstreben auf  Kosten der Allgemeinheit sowie mangelnde Wertschätzung der Natur sind die wirklichen Probleme unserer Gesellschaft! (O. Rippe)

Die Suche nach Alternativen in unserer Lebensweise und der Medizin sind notwendig geworden. Lösungsansätze sollten wir auch in der Vergangenheit suchen, denn altes Wissen ist nicht veraltet, darin wurzelt die Erkenntnis unserer heutigen Wissenschaft!

Die Phytotherapie, unsere Heilpflanzentherapie, hat sich heute sehr stark auf Einzelstoffe, also extrahierte, oft sogar chemisch nachgebaute Inhaltstoffe und standardisierte Mittel versteift. Wir holen den Stoff aus einer Pflanze, von dem wir wissen/glauben  das er das gewünschte heilende Element besitzt. Die Idee, das Wirkspektrum der ganzen Pflanze, mit all ihren einzelnen Bausteinen ergeben aber erst das perfekte Gesamtbild. Eine einzige Pflanze verfügt über mehrere hundert Einzelstoffen!! Jedes kleinste Teil hat seine Aufgaben, und macht das Rad erst rund.

Wir können das vergleichen mit einem reich gedeckten Tisch aus unterschiedlichsten Gerichten, wo wir uns jedoch nur das Besteck nehmen, weil wir glauben damit das Werkzeug in der Hand zu halten!

Die Herstellung synthetischer Arzneien hat die Pflanze (und somit auch den Patienten) auf ein messbares Etwas reduziert, dadurch wird nur ein Teil ihres Wesens offenbart. Die Natur wird dadurch zu einem Ding, und in der Industrialisierung der Medizin geht es heute fast nur mehr um Profit.

Standardisierungen von Stoffen geben dem Anwender Sicherheit, das ist unumstritten, gleichzeitig aber, nimmt es auch das schöpferische, Lebendige eines lebenden Individuums.

Standardisierungen begünstigen  leider auch den Gewöhnungseffekt, die Resistenzen. Schon ein geringer Unterschied an der Zusammensetzung eines Heilmittels, wie es zb. bei den unterschiedlichen chemotypen von ätherischen Ölen vorkommt, (hervorgerufen durch verschiedene Erntezeiten bzw. Anbaugebieten) kann dem erfolgreich entgegenwirken.

Rudolf Steiner sagte: Durch den Verlust der intuitiven Fähigkeiten  herrscht eine große Unsicherheit und Verwirrung, die sich auch in der Medizin unserer Zeit findet, indem der Zusammenhang des Menschen mit der Natur völlig  abhandengekommen ist. Man bekämpft den alten Aberglauben, aber man ahnt nicht, dass sich dieser Aberglaube nur gewandelt hat.

Wenn wir nun zurückblicken, weit hinter das Mittelalter, dann finden wir bei den  Kelten, Germanen,  Römern usw. den Ausdruck von göttlicher Macht in  jeder Pflanze. Es war das Göttliche selbst, das durch die Heilpflanze sprach und wirkte. Über das rascheln der Blätter in alten Bäumen, durch den Rauch des Räucherwerks und dem Duft der Blumen fand es seinen Ausdruck. Alles galt als beseelt. In gewisser Weise waren die „Ärzte“ damals noch hellsichtig, der Mensch bildete mit der Natur eine Einheit.

Bei der späteren Signaturenlehre laß man förmlich dem Heilmittel auf Grund seines Aussehens, seine Heilwirkung ab. Ohne danach zu fragen was denn da heilt. Damals stellte man sich die Frage zu welchem Zweck bzw. zu welcher Bestimmung etwas existierte – heute fragen wir nach dem Wie!  Geist und Magie sind in unserer Zeit völlig aus der Natur verbannt. Wir haben uns ein einsames Weltbild geschaffen – der Mensch steht alleine im Mittelpunkt, nicht die Natur oder das Göttliche. Götter, Engel und andere Begleiter haben wir aus den Bäumen und Blumen verjagt. Wir haben gelernt bis ins kleinste Atom zu schauen, dafür mussten wir taub und blind gegenüber dem metaphysischen werden.

Um ganzheitlich zu heilen, sollte eine philosophisch orientierte Heilkunst mit all ihrer Mystik, Hermetik, den Ritualen und der Unterstützung aus dem beseelten Reich, wieder ihren Weg in die Naturwissenschaften finden.

Wenn der Naturwissenschaftler kein Mystiker ist, dann ist er kein Naturwissenschaftler.
A.Hofmann

Wie sollen wir Antworten finden auf die Probleme unserer Zeit? Depressionen, Zukunftsängste, Krebs, psychosomatische Störungen usw.!? –  Denn der verbreitete Nihilismus spendet keinen Trost, gibt uns keine Kraft, kaum Sicherheit und wenig Hoffnung. Wenn die Welt im Außen sich auf den Kopf stellt, kein Stein auf dem anderen bleibt, dann braucht der Mensch Halt, Halt und Vertrauen, die aus dieser unversiegbaren Quelle, dem Glauben, kommt. Ein Glaube der nicht im realistischen Weltbild zu finden ist, wenn gerade diese Welt Kopf steht.

Im finsteren Mittelalter wurde vieles an Mystik und alten Bräuchen verboten, die Kirche bestimmte wer und was angebetet und verehrt werden durfte. Aber nicht alles war finster in dieser Zeit! Viel Altes bekam einfach einen anderen Namen, die Kirche nahm gute „Ideen“ und steckte sie in ihr Kleid, gab ihm ihre Namen. Vieles überlebte unter diesem Deckmantel, und verbotene Traditionen lebten in den vier Wänden der Menschen weiter.

Die Renaissance löste die harten kirchlichen Fesseln, der Mensch wollte mehr wissen, und so begann er genauer hinzusehen!! Besonders in der Kunst zeigte sich diese Sicht ganz deutlich. Größen wie Leonardo da Vinci, Michelangelo, A. Dürrer usw., sind ein blühendes Beispiel dafür. Wurden zuvor Pflanzen nur sehr schemenhaft dargestellt, zeigten nun  genaue Naturstudien Pflanzen und Körper in  völlig neuem Licht. Die Abbildungen waren so genau, dass nichts mehr verborgen blieb.

Diese Entwicklung und Aufklärung zeigte sich in vielen Bereichen, sie entmystifizierte unser Weltbild, mehr und mehr verschwand das nicht Sichtbare…. und damit auch der Glaube daran!

Das ging so weit, das wir heute nur mehr an das glauben können, was wir sehen!!

Dieses mechanische Weltbild entlockte  der Natur so manches Geheimnis, doch wirklich verstehen können wir die Schöpfung dadurch auch heute noch nicht. Unlösbares wird aus der Fragestellung ausgeklammert, was sich nicht beweisen lässt, existiert demnach nicht.

Paracelsus sagte: Ist der Mensch krank, dann besonders deshalb, weil er sich von der Natur und damit dem göttlichen abgewendet hat. Aufgabe des Heilers ist es daher vor allem, den Kranken die Augen zu öffnen für die Schönheit dieser Welt.

Wir haben vieles erreicht, die Möglichkeiten und Erfahrungen die die Medizin heute hat kommen aus dem Wissen der vergangenen Zeiten. Jeder dieser großen Heiler, Philosophen und Forscher hat seinen wesentlichen Teil dazu beigetragen. Die Pflanze als ganzheitliches Wesen spielte dabei immer die Hauptrolle.

Die Medizin einzelner, echter, wilder und freigewachsener Pflanzen sollte nicht als wertlos oder gar gefährlich hingestellt werden. Wenn wir  wieder mehr vertrauen in das Kraut das in unserem Garten oder vor unserer Tür wächst haben, die einzelnen Individuen erkennen und schätzen, ihre Gestalt und Erscheinung genauer betrachten, werden wir wieder mit der Welt der Mystik und des ganzheitlichen heilens vertraut werden.

 

 

 

 

Welt-Weites-Wurzelwerk

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Wir haben alle schon einmal etwas aus- oder eingegraben…. was kommt zum Vorschein wenn wir unter die Oberfläche dessen schauen, was uns trägt, worauf wir unsere Häuser bauen und worin wir unsere grüne Nahrung ziehen?!

Wurzeln, viele unzählige Wurzeln. Es scheint so als wäre die ganze Erde mit einem Wurzelgeflecht durchzogen. Ein Welt-Weites-Wurzelgeflecht. Das was wir Oberirdisch sehen, die Vegetation, ist nur die Spitze des Eisberges, unter dieser Oberfläche befindet sich ein weltumspannendes Netzwerk.
Alles steht damit in Verbindung, die Infos umspannen die ganze Erde. Jedes kleinste Pflänzchen ist ein Glied in dieser Kette.

Laut Charles Darwin verfügt die Wurzel über Entscheidungs- und Steuerungsfähigkeit. Es sind besonders die Wurzelspitzen, die oft nur ein zehntel Millimeter groß sind, wo das meiste Empfindungsvermögen ist. Die Aktionspotenziale sind vergleichbar mit den elektrischen Signalen der Neuronen im tierischen Gehirn. Jede dieser Wurzelspitzen fühlt fortwährend zahlreiche Gegebenheiten nach: Schwerkraft, Temperatur, Feuchtigkeit, elektrische Felder, Licht, Druck, toxische Stoffe, Schallschwingungen, Sauerstoff, Kohlendioxid u.s.w…
Kleine Pflanzen wie der Hafer oder Roggen, besitzen bis zu 1 Million solcher „Fühler“, Bäume bis zu 100 Millionen!!

Das erinnert uns doch stark an das Internet, dem gewaltigsten Netz das der Mensch je erschaffen bzw. nachempfunden hat.
Diese existierende Kommunikationszentrale die in diesem gewaltigen Netz  unter unseren Füßen  arbeitet, ist unvorstellbar!! Pflanzen sind wahre Meister chemische Moleküle für alles nur Denkbare zu produzieren und miteinander zu kommunizieren. Eine Wurzel alleine ist in ihrer Kraft nichts, doch gemeinsam sind sie eine unvorstellbare, schöpferische Ur-Energie.

Der Mensch und das Tier haben eine Sonderstellung in diesem Netz. Da wir beweglich sind, d.h. nicht mit dem Netz physisch bzw. körperlich verbunden sind, ist unser Zugang ein subtiler. Das Sitzen unter einem Baum, Barfußgehen, das Liegen auf der Erde oder besser noch das Schlafen im Freien, am Boden, sind Wege wo wir uns dieser Kraft bewußt werden können.
Im Sommer schlafe ich bewußt ab und an mal nur auf einer dünnen Matte im Freien unter einem Baum. Und so lange die Nacht oft ist und so kurz der Schlaf auch sein mag, die Träume sind ganz besonders und der kommende Tag, ist trotz oftmaligem Schlafentzug, von einer Energie getragen die ich sonst nicht kenne.

Alles was die Pflanze von oben über die Sonne , den Regen und den Kosmos aufnimmt, speißt dieses Netz, so wie Oben, so auch Unten. Die wirkliche Verbindung zwischen Oben und Unten, zwischen Himmel und Erde sind unsere Pflanzen, und die Wurzeln sind das Gehirn, die Schaltzentrale, das Gedächtnis, das bindende Glied!

Der Mensch fühlt sich oft „entwurzelt“ oder nicht „geerdet„. Ich denke das diese Umstände wenig räumlicher Natur sind, und wie das Heimweh nicht immer nur mit einem bestimmten Platz oder Ort zu tun haben muß. Es ist viel mehr der Mangel an der Verbindung mit dieser Ur-Kraft die alles durchzieht, nährt und der Puls des Lebens ist!!  Dieses Pulsieren durchströmt alles. Es macht nicht Lebendiges, lebendig.

Es ist diese Energie, die uns wirklich alle verbindet!
Je mehr es bebaute Flächen gibt, wo wirklich kaum mehr etwas durch den Beton wachsen kann, je großflächiger Herbezide aufgesprüht werden und dieses Wurzelwerk dadurch Lücken bekommt, je öfter wir große Bäume fällen und je weniger wir die Ruderalflächen schützen, deste mehr schwächen wir diese Kraft und damit uns selbst!

Übung:
Die Pflanze ist ja das bindende Glied zwischen Oben und Unten.. Innen und Außen. Durch das stille, tiefe, fokusierte Betrachten von Pflanzen(-Teile) die uns ansprechen, bzw. gefallen, können wir uns durch das Sehen, das Betrachten und Wahrnehmen in dieses Netz einfühlen. Der Zugang findet sich im offenem Betrachten, es „zieht“ uns hinein. Der Duft den wir wahrnehmen, die Farben die uns anlachen, alles hat seine Wirkung und beeinflußt unsere Gefühle, manchmal „spricht“ es richtig in uns.

Nimm dir die Zeit und lass dich ein auf diese Reise, und du wirst ein Teil vom Ganzen werden!

Bilsenkraut

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Hyoscyamus niger
Die Familie der Solanaceae (= Nachtschattengewächse) ist unter den Giftpflanzen stark vertreten. Dazu gehört auch das schwarze Bilsenkraut.

Meine erste Begegnung damit war bei einem Spaziergang. Vertieft in einem Gespräch mit meinem Freund, hat mich das plötzliche Wahrnehmen ihrer Gestalt fast erschreckt und entzückt zugleich.
Ihr Äußeres ist so einmalig, das ich sie sofort erkannte, obwohl ich diese Pflanze nur aus Büchern kannte. Oft wird das unmittelbare Umfeld solcher kraftvollen Pflanzen durch eine „zufällige“ Auffälligkeit begleitet. Ich erinnere mich damals einen scheinbar schlafenden Vogel unter dieser Pflanze beim näheren Betrachten entdeckt und „geweckt“ zu haben!

Zufälle, Einbildung oder die Offenheit zwischen den Zeilen zu lesen bzw. zwischen den Welten zu blicken?! Ich persönlich denke, wir sollten mehr an solche Dinge glauben und Vertrauen haben.
Wir sehen (nur) das was wir sehen wollen, glauben nur das was wir glauben wollen.. und erfahren bzw. erleben auch nur das wofür wir offen  sind. Die Vielfalt und die Farben im Leben sind der Spiegel dessen was wir in uns haben.

Zurück zur Pflanze, schauen wir uns das Bilsenkraut einmal genauer an:
Die Blüte: Farbe und Duft sind von einmaliger Erscheinung. Gelb-grün ist die Grundfarbe, durchzogen von violetten Adern und einem dunklen, violetten Zentrum – zieht sie den Blick wie einen Tunnel in ihr Inneres.
Der Duft ist animalisch, ungewöhnlich und erinnert an ein Tier, manche behaupten es riecht nach nassem Hundefell. Die Blätter sind sowie der Stengel, samtig behaart und am ende jedes Haares sitzt oft ein schimmernd-goldig-klebriger Tropfen. Im Sonnelicht verleiht es der ganzen Pflanze eine strahlende Erscheinung. Die Blätter sind stengelumfassend, asymetrisch und durch ihre Anordnung gleicht der Habitus einer Stiege oder Rispe.

 

Blüte

 

 

Der ausgereifte Fruchtkörper trägt eine Krone und ist mit einem Deckel verschlossen. Die Samen sind nierenförmig und braun, unter der Schale verbirgt sich eine fast embryonale Gestalt!!
Gehen wir auf die ausgeprägte Signatur des Bilsenkrautes ein, verwundert die ursprüngliche Anwendung kein bißchen!
Hebammen benutzten sie um Geburten erträglicher zu machen. Wer sie zu dosieren wußte, schätzte ihre krampflösende, schmerzstillende, schlafbringende und muskelentspannende Wirkung. Wie auch Schierling und Alraune wurde sie genutzt um die Leiden zum Tode Verurteilter zu mildern. Sie besitzt die Eigenschaft ein Gefühl des Vergessens und der Gleichgültigkeit sowie der Willens,- und Widerstandslosigkeit zu erzeugen. Auch gab sie dem schwachen Bier die nötige „würze“ und verstärkte so seine Wirkung.

Bilsenkraut ist eine äußerst wichtige und interessante Droge, die als Betäubungsmittel und Hallozinogen im Hexenwesen eine Rolle spielte.

Sie war eines der wenigen Schlaf,- und Schmerzmittel des Paracelsus. Er vertrat die Meinung das dieses Kraut über eine heilende und krankmachende Wirkung verfügt.
Eine Überdosierung führt zu Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Wahrnehmungsstörungen, Blind,- und Taubheit, Hitze im Kopf, starkes schwitzen, Unruhe, Pulsbeschleunigung, Herzrhythmusstörungen, Herz-Kreislaufversagen und Atemstillstand.
Wir sehen das der Grad zwischen Heil,- und Giftpflanze verschwindent schmal ist.

Anwendung Heute: Wir finden sie in der Homöopathie zb. bei Geisteskrankheit, Parkinsonismus ( schmerz, und krampflösend), bei Erregungszuständen, Angst und Schock, Asthma, Magen-Darmkrämpfen, Zahnschmerzen…
Als Teil von Salben und Einreibungen bei Gliederschmerzen und Hexenschuß.

Eine für uns sichere Anwendung ist das stille Betrachten dieser Schönheit mit ihren vielen Gesichtern!! Sie erweckt und gleichzeitig beruhigt sie den Betrachter. Nimmt ihn mit und läßt sich tief ins Auge (Blüte) schauen. Eine leichte hypnotische Wirkung ist selbst beim Betrachten nicht zu leugnen, und der Duft tut das Seine dazu.
Die Stiege die die Blätter bilden, führt nach Oben genauso wie sie nach Unten führen kann. (Gift und Heilung, Leben und Tod).

Das was ich beim stillen meditativen Betrachten „hören“ konnte:
Bilsenkraut, Bilsenkraut, Mensch der du auf Gott vertraust!
Für mich führt diese Pflanze den verlorenen, verwirrten Menschen über ihre Treppen aus der Blindheit und Taubheit zurück zum Vertrauen und zu einem Gauben der ihn nährt und trägt. Sei dir bewußt, das die Schöpfung dich erschaffen hat!

 

 

 

 

Giftpflanzen

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Giftpflanzen-Heilpflanzen

Das eine schließt das andere nicht aus, Paracelsus sagte schon:“ Allein die Menge machts, das ein Ding kein Gift ist“!

Das trifft auf fast alles zu, wenn wir einmal genau überlegen, oder?! Das gesündeste Zeug kann, wenn in Übermaßen genossen, sehr ungesund, ja sogar toxisch wirken. Das Herausragende an den Giftpflanzen ist ihre unglaubliche Kraft.  Schon in kleinsten Mengen zeigen sie ihre große Wirkung. Die Grenze zwischen einer heilenden bzw. vergiftenden Dosis ist verschwindend klein. Aber, richtig dosiert, sind es gerade diese besonderen  Inhaltsstoffe welche starke Heilwirkungen besitzen.

Als es noch keine chemisch standardisierten Stoffe gab, war die Anwendung eine riskante Sache und forderte viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Je nach Standort und Wetterlage schwankt der Gehalt an Inhaltsstoffen! Ein und die selbe Pflanzenart kann deshalb sehr unterschiedlich stark in ihrer Wirkung sein. Besonders in der Homöopathie finden wir heutzutage ihre Anwendung. Doch die Verwendung an sich ist so alt wie der Mensch selbst! Diese Pflanzen haben uns schon immer begleitet, sie waren ein wertvolles Gut und das Wissen ihrer Dosierung und Anwendung war oft ein gut gehütetes Geheimnis. Ihr „Gift“ war es, das es uns ermöglichte unerträgliche Schmerzen zu lindern, schwere Geburten zu erleichtern und sogar ohne Narkose zu operieren!!

Hebammen waren eine der ersten Heilerinnen die gezielt mit dem Bilsenkraut der Belladonna und dem Opium arbeiteten. Nicht zuletzt deshalb wurden sie gerne zu Hexen gemacht.

Bis heute ist kein stärkeres Schmerzmittel als das aus dem Schlafmohn isolierte Morphin  gefunden worden!!

Viele Giftpflanzen sind wegen ihrer Inhaltsstoffe bewusstseinsverändernd. Sie waren die Hauptakteure  bei Ritualen und Zeremonien. Durch diese Pflanzen wurde das „Reisen“ in andere Welten ermöglicht. Ob geraucht, geräuchert, aufgetragen oder eingenommen, die Anwendungen waren den Schamanen, Zauberern, Priestern und Weisen vorbehalten… und noch heute spielen sie diese Rolle. Die Hexenschmiere bestand zum wesentlichen  Teil aus diesen starken Vertretern der Pflanzenwelt. Heute finden wir ihre Verwendung besonders in muskelentspannenden Mitteln.

Was können wir nun mit diesen Kraftpflanzen tun!?

Wir haben meistens weder das Wissen noch die Erfahrung um diese Pflanzen körperlich anzuwenden, aber: finde ich bei einem Spaziergang so einen Vertreter, ist das meistens ein kleines freudiges „Schrecken“. Sie sind einfach schön anzusehen, haben immer etwas ganz eigentümliches  an sich. Oft ist es der Duft oder die Farbe. Da wären zb. die schwarzen Beeren der Belladonna, was für ein lockendes, glänzendes Schwarz!! Sie spiegeln sogar den Betrachter wieder. Oder, wer kennt sie nicht, die roten Beeren der Eibe, den animalischen „Duft“ vom Bilsenkraut…da kann man nicht vorbeigehen!!

Diese Pflanzen haben eine sehr starke energetische Ausstrahlung! Wenn wir uns etwas zeit nehmen und einmal wirklich hinsehen, unser Geist dabei offen ist, können wir einen Zugang zu dieser Kraft finden.

Das bloße Betrachten kann diese Energien freisetzen! Irgendwie hat man das Gefühl einem Geheimnis auf der Spur zu sein.
Wir müssen weder etwas einnehmen oder pflücken noch ein Gebräu daraus mixen. Die lebende Pflanze und der offene Blick des Betrachters zeigen den Weg in diese Welt.

Diese Pflanzen sind Geschichte, sie haben Geschichte geschrieben und sie erzählen diese auch.